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Nun, so will ich beginnen im typischen Stil der Märchenerzähler, kommt
es mir im Nachhinein selbst wie ein Märchen vor: Ja, wie war es
damals ? Hhmm - das war so....., - so entstand La Loba: Es begab
sich zu der Zeit, als alle Welt mal wieder unzufrieden war mit dem "Deutschen
Sommer", also da war ein kleines, schon etwas ergrautes, ziemlich geschafftes,
von den Widrigkeiten des Alltags ermüdetes, innerlich und äußerlich
frierendes Mütterchen am Flughafen Konrad Adenauer zu Bonn/Köln-Wahn.
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Im Begriff, die Flucht anzutreten in südlichere, wärmere, trockenere
Gefilde, schaute sie sich im Flughafen-Büchershop um und suchte noch nach
etwas Lesbarem, mehr oder weniger Literarischem, um die Zeit bis zum Abflug so
angenehm wie möglich zu überbrücken. Vielleicht gab es ja auch
noch interessanten Lesestoff für einige Wochen selbst auferlegte Klausur
- um mal wieder zu sich selbst zu finden. - Zielsicher strebte sie den Krimis
im Taschenbuchformat zu, ein Griff und die Entscheidung war gefallen: Ken Follet
"Der dritte Zwilling". So, das wäre was für die Spannung,
zum Abschalten; aber - so ganz zufrieden schien sie doch noch nicht zu sein. Ihr
Blick schweifte über die verschiedensten, ausgebreiteten literarischen Genüsse.
Das eine oder andere Erzeugnis der Buchdruckerkunst ergreifend, hier und da blätternd,
erblickten ihre Augen einen ziemlich dicken Wälzer, dunkelblau, golden und
weiße Schrift: Heyne Taschenbuch. Was ihr als nächstes in die Augen
sprang: "Die Kraft der weiblichen Urinstinkte", dann erst der eigentliche
Titel "Die Wolfsfrau", Unterzeile: "Das derzeit stärkste Buch
über Frauen", als Kommentar der Abendzeitung. Das Buch mal kurz umgedreht.
Die Rückseite, - wau - dieses Zitat: - Die Auferstehung der Wilden Frau -
"Keiner Frau ist es vom Schicksal bestimmt worden, ihr Dasein als kümmerliches,
unauffälliges Nagetier zu führen, als dressiertes Mäuschen, das
es nicht fertigbringt, einen mächtigen, wolfsartigen Satz nach vorn zu machen,
sich auf die Jagd zu begeben und das Unbekannte zu erforschen!", Autorin:
Clarissa Pinkola Estès. WAU. Das schlug ein wie der Blitz. Also ab in den
Korb und zur Kasse. Muß hier noch berichtet werden, wie die nächsten
Wochen sich gestalteten? Wohl kaum. - Erwähnenswert ist jedoch, wie gelesen
wurde: Erst systematisch von vorne nach hinten, dann in die Kreuz und in die Quer.
Danach wurden wieder einzelne Schwerpunktthemen herausgegriffen und noch mal studiert.
Es wurde in den folgenden Wochen viel analysiert, Vergangenes rekapituliert. Es
folgte Stirnrunzeln, Kopfschütteln, aber auch Zustimmung, Wiedererkennen,
Vorsatzfassung, Wiederverwerfen, neues Überdenken, Aufarbeitung der eigenen
Instinktverletzung, Zornesausbrüche, Bewichtigung, Akzeptieren des Geschehenen,
Appellation an die innewohnende Güte, eine zunehmende Gelassenheit und Sicherheit:
"Ja, so ist es. So kann man es angehen." Ein Übriges brachte
Spaniens Sonne: Als wenn sie all diese neuen Eindrücke fest einbrennen wollte.
Es festigte sich, wurde im Alltag integriert, eine Metamorphose der besonderen
Art. Vieles wurde zur zweiten Natur. Oder der wiedererweckten, ursprünglichen,
aus dem Alltagsmüll ausgegrabenen? - So wurde es etwas später sogar
zum Synonym - LaLoba! Sieben Wochen später Rückflug von Alicante
nach Köln/Bonn: Energischer Schritt, fester gerader Rücken, strahlende
Augen, flammender Blick: "Hier bin ich wieder, Welt! Was kann ich bewirken?
Und Ken Follet? Der wartet immer noch darauf, gelesen zu werden. Das Leben ist
spannender als jeglicher Krimi. © Christel Trompertz alias LaLoba alias
>wölfin<, den 05. 02. 2000 Nachsatz: Bei der inzwischen doch noch
zu Gemüte geführten Lektüre des Ken Follet-Romans wurden die Erwartungen
der Leserin nicht enttäuscht *g*, Fazit: Für alles gibt es die rechte
Zeit. Das Buch: Clarissa Pinkola Estés: Die Wolfsfrau - Die Kraft
der weiblichen Urinstinkte, Heyne Taschenbuch ISBN 3-453-132226-2, Originalausgabe:
Women who run with the wolves
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