| Bilder,
Bilder, Bilder! Jetzt sieht man sie wieder zuhauf und allenthalben - Schnappschüsse,
Ferienbilder -. Da ist z. B. dieses Foto - aussteigende Flugpassagiere - wie
sie gerade die Gangway herunterkommen. Unmittelbar steigt eine Erinnerung
aus fast vergessenen Tagen in mir empor, als Urlaubsreisen per Flugzeug noch nicht
so selbstverständlich wie heute waren. Auch ich bin einmal so fotografiert
worden.
Wie war das auf meinem ersten Flug, wie kam es dazu? War das damals
für mich nicht auch schon fast so was wie Last Minute? Up, up and away? -
Also
da war der schon zu lange dauernde regnerische, graue, kalte Winter mit den viel
zu kurzen Tagen, dem ich entfliehen wollte. Februar! Alles in mir verlangte nach
Sonne, Wärme. Es gab eine Möglichkeit: Hinfliegen! Wohin? Zu den Inseln des
Frühlings - den Kanaren. Ich war noch nie geflogen. Das und ebenso die Abwicklung
der Formalitäten sollten ein neues Erlebnis sein: Schon das Einchecken am
Flughafen ist aufregend. Ich beobachte verstohlen die anderen, sicherlich versierteren
Passagiere, wie sie sich verhalten. Das Einsteigen erfolgt Dank der höflichen,
freundlichen -auch mit Neulingen erfahrenen- Flugbegleiter zügig und problemlos.
Nachdem die Reisetasche gut verstaut, aufatmend der nummerierte Fenstersitzplatz
eingenommen ist, betrachte ich eine Weile das Treiben auf dem Flugfeld. Dann ein
neuerlicher prüfender Rundblick über meine Mitreisenden (wie verhalte ich mich
am zweckmäßigsten in den nächsten Stunden?). Anschließend widme ich der unmittelbaren
Umgebung meine Aufmerksamkeit: Vor mir an der Rückenlehne des Vordersitzes ein
Netz - enthält eine Broschüre mit Daten über Flugzeug und Touristikreportagen,
ferner ein Faltblatt mit Sicherheitsinstruktionen und "die Tüte". Da ist auch
noch so etwas wie eine Klappe; ich teste den Mechanismus: Aha - das ist der Tisch!
Die verschiedensten Knöpfe sind zu erkunden und werden von mir natürlich auch
sofort ausprobiert: Licht, Klimaanlage, Rufknopf - und plötzlich: "Was kann ich
für Sie tun?" fragt eine freundliche Stimme vom Gang aus neben mir. Eine Stewardess
ist gekommen. Hektisch und fieberhaft denke ich nach und stottere überrascht:
"Der..., der Gurt, wie funktioniert der Gurt?". Verständnisvoll lächelnd ist sie
mir behilflich beim Einstellen und Anlegen des Sicherheitsgurtes. Dann eilt sie
zu einem Klappstuhl und schnallt sich selber an. Stimmengewirr rundum - ich habe
wohl die Start-Ansage nicht mitbekommen: Die Maschine beginnt zu rollen. Gepäckwagen,
andere Fahrzeuge, Bodenpersonal, Flughafengebäude entschwinden aus dem Blickkreis.
Das Flugzeug beschleunigt immer mehr, die Leitmarkierungen flitzen nur so vorbei.
Ein kurzes, eigenartiges Gefühl im Magen -als ob ein Fahrstuhl hochsaust-. Die
Startbahn, auf der wir gerade noch rollten, wird stetig schmäler, bleibt zurück.
Wir sind gestartet, sind in der Luft, wir steigen. Druck auf den Ohren; ich muss
schlucken, es wird erträglicher. Bäume, Häuser, Straßen, Autos, Menschen -
alles wird kleiner und kleiner, während der Blick weiter und weiter schweift;
es ist faszinierend, es lenkt von den ungewohnten körperlichen Empfindungen ab.
Mir wird klar, was es heißt, einen Überblick zu haben. Über Bordlautsprecher
werden von einer Flugbegleiterin die Sicherheitsvorschriften bekanntgemacht, während
eine zweite mit entsprechender Gestik die Ausführungen ihrer Kollegin unterstützt.
Bald ist die Reisehöhe erreicht und gemäß der Leuchtschriftmeldung können
die Gurte jetzt entfernt werden. Einige Mitreisende erheben sich, machen sich
etwas Bewegung. Ich schaue, beobachte, nehme alles auf. Später ist Lunchzeit.
Stewardessen kommen mit den Servicewagen. Wieder achte ich so unauffällig wie
möglich auf das Verhalten der anderen, ahme nach. Es klappt alles. Langsam
weicht die ungeheure Spannung von mir. Während unter mir der Rhein sich als
schmales Band durch die Landschaft schlängelt, wie in einer Spielzeuglandschaft
Häuser, ja ganze Städte vorüberziehen, ich in Höhe der Alpen durch Wolkenlücken
direkt auf schneebedeckte Felsspitzen und -grate blicke, beginne ich, den Flug
zu genießen. Daran ändert auch nichts die plötzliche Turbulenz, die die Maschine
durchschüttelt. Instinktiv drücke ich meine Hand angstvoll auf den Magen. Skeptisch,
misstrauisch schiele ich zur "Tüte". Tief durchatmend gelingt es mir, mich zu
entspannen. Gottlob, ich werde "sie" wohl nicht benötigen, denn da liegt das Flugzeug
auch schon wieder ruhig in der Luft, die Turbulenz ist vorbei. Ich werde mit einem
strahlend blauen Himmel belohnt. Unten ist es ebenfalls blau - das Meer -, ab
und zu mit einem, von hier oben aus, klitzekleinen Schiff; sogar die Wellen, vom
Bug des Schiffes her auseinanderlaufend, sind an ihren weißen Schaumkronen zu
erkennen. Laut Durchsage beträgt die Flughöhe 9.000 m . An dem Reifring,
der sich um den Fensterrand zunehmend bildet, kann man erkennen, wie kalt es wohl
in dieser Höhe draußen ist.
Dann
tauchen vorne seitlich dunkle Punkte auf - die Kanarischen Inseln - das Ziel.
Schon beginnt der Sinkflug. Anschnallen ist angesagt. Das Motorengeräusch
ändert sich.
Erst
die Meeresoberfläche, dann Landschaft: Niedrige Büsche, Palmen, Häuser, Hotelanlagen
kommen entgegen - der Flughafen - die Landebahn - immer näher - ein Hüpfen, ein
kurzes Rumpeln; wir sind gelandet und rollen - erst noch schnell -, alle klatschen.
Dann wird die Maschine langsamer, schließlich bleibt sie stehen.
 Wir
sind da. -
Tief aufatmend und gedanklich zurückkommend in die Gegenwart
sehe ich mir nochmal das Foto an:
Inzwischen habe ich schon oft den Moment
erlebt wie damals beim ersten Mal, in dem ich erleichtert und doch gespannt,
ja erwartungs- voll die Gangway herunterkomme, all die neuen verschiedensten
visuellen Eindrücke vom Ankunftsort mich überfluten, Geräusche, Gerüche.
Damals
stieg dazu unmittelbar gleichzeitig das Bewusstsein an die Oberfläche, gerade
eine neue Erfahrung im Leben gemacht zu haben: Wie es ist, zu fliegen. ©Christel
Trompertz La Loba,
Overath 1996 Nachsatz:
(Ist der Titel dieser Geschichte auf den ersten Moment irreführend? Nein,
in dieser Story wird nichts geschildert, was allgemein mit diesem Begriff
verknüpft wird - sondern der Titel wurde damals bei den schriftstellerischen Studien
ganz bewusst gewählt, um einen Begriff in unserer Deutschen Sprache aus seiner
"Nische" zu befreien, da es für viele Dinge im Leben "ein erstes Mal" gibt). -
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