Doch da waren an erster Stelle die Alltagspflichten, Beruf,
Familie, die Kinder,
meine gesundheitlichen Probleme, die mir bislang nicht die nötige Muße ließen,
all das zu formulieren, was sich in vielen Jahren an Gedanken, Ideen, Erlebnissen,
Erfahrungen ansammeln konnte. Auch habe ich mich vermutlich durch mangelndes Selbstvertrauen
bis heute einfach nicht darangewagt, so nach dem Motto: "Das kannst Du nie; da
muss so viel Intimes, allzu Persönliches preisgegeben werden. So etwas bringst
Du im Leben nicht fertig". Vielleicht wollte ich mich auch nicht der Lächerlichkeit
aussetzen. Es bestand oft eine Unsicherheit hinsichtlich exakter Formulierungen
und richtigen Sprachgebrauchs. Erst in den letzten Jahren erlebte ich bei Veranstaltungen
in der Selbsthilfegruppe, dass ich sehr wohl meistens die treffenden Redewendungen
zu finden weiß. Jedoch ist das eine andere Sache mit dem geschriebenen Wort. Da
fehlt die unmittelbare Ausstrahlung, die Körpersprache. Man kann auch nichts mehr
korrigieren, Wortmißverständnisse erklären. Es steht ein für allemal da. Punktum.
Ich möchte also lernen, dass das was ich niederschreibe, zum einen richtig
verstanden wird und zum anderen interessant und lebendig zu lesen ist. Kurzum,
auch ankommt.
Ein weiterer Grund ist die Zwangsläufigkeit, mit der sich die
Dinge im Leben oft entwickeln. Ich werde ums Schreiben nicht drum herumkommen.
Also muss ich es richtig lernen:
Ich erwähnte vorher die Selbsthilfegruppe,
die ich leite. Ich führe Beratungen durch für Betroffene und ihre Angehörigen,
resultierend aus meinen eigenen Erlebnissen und unterstützt durch Fortbildungsseminare,
aufbauend auf dem Studium von Fachliteratur, Meinungsaustausch zwischen Betroffenen
und Experten. Das alles will in der richtigen Form schriftlich aufbereitet werden.
Mehrmals bin ich in letzter Zeit eindringlich ermuntert worden, meine persönlichen
Erlebnisse zu Papier zu bringen. Auch da hatte ich Hemmungen. Da es ja auf diesem
Sektor schon so viele Bücher gibt, muss es, wenn es denn schon so geschehen soll,
etwas besonderes werden. Ferner schwebt mir vor, auch für mich zu schreiben.
In
diesem Fall denke ich weniger an Sachbücher und Beiträge für Fachzeitschriften,
als an all die Geschichten, die ich vor Jahren für meine Kinder erdachte und beim
Erzählen damit ihre Kümmernisse mildern oder vergessen machen konnte und die ich
immer schon irgendwann einmal aufschreiben wollte.
Oder zu schreiben über
Vergangenes, Erlittenes, Durchlebtes als Aufarbeitungsprozeß um meiner selbstwillen.
Ich habe jetzt die Zeit. Ich suche nach einer sinnvollen Beschäftigung
hier von zu Hause aus; einem neuen Inhalt meines Lebens. Leider wurde ich mit
48 Jahren, durch jahrelange Erkrankung bedingt, berentet. Jedoch habe ich nie
die Hoffnung aufgegeben, dass es auch gesundheitlich wieder bessere Zeiten geben
wird. Nur - der Zug "Arbeit und Beruf" ist mittlerweile abgefahren; begreiflich
in der heutigen Arbeitsmarktsituation. Für eine Umschulung bin ich "zu alt". Ich
sehe mich mit meinen erst 52 Jahren aber noch imstande, etwas Neues zu beginnen.
Auch darüber, was ich diesbezüglich erlebte, verarbeiten mußte, ließe sich -sozialkritisch-
schreiben.
Schreiben sozusagen als Therapie: Eine Möglichkeit, meine Schmerzen
durch die Erkrankung, vergebliche Therapien, den Frust über mein Schicksal, Ignoranz
und Unverständnis seitens der Mitmenschen, die Enttäuschung über angebliche Freunde,
die seelische Ohnmacht, die lähmende Hoffnungslosigkeit, die zumeist mit einer
chronischen Erkrankung einhergehen, aufzuarbeiten und damit hinter mir zu lassen.
Aber auch von heilsamen, wunderbaren Begebenheiten zu berichten, der aufkeimenden
Hoffnung. Oder wie ich mich quasi selbst beobachtend, staunend meine Persönlichkeitsentwicklung
wahrnahm und dankbar akzeptierte.
Schreiben zur Dokumentation: Damit die Erfahrungen,
welche ich zwangsläufig machen mußte, die helfenden Strategien, die ich mit Unterstützung
bewundernswerter Menschen entwickelte, nicht verlorengehen und anderen Schicksalsgenossen
Wege für ihre persönliche Alltagsbewältigung aufzeigen können.
Genug der
Gründe. Welcher davon die stärkste Motivation ist, muss ich hier offenlassen.
Desgleichen kann ich momentan überhaupt noch nicht übersehen, was mir mehr zusagt,
wo ich meiner Eignung entsprechend den Schwerpunkt setzen soll. Um das herauszufinden,
lasse ich mich jetzt ein auf das Abenteuer meines Lebens: "Schreiben zu lernen".
Christel Trompertz, Overath, den 16.02.1993
Nachsatz:
In den letzten Jahren wurde mir dann mit und mit diese Schwerpunkt-Entscheidung
abgenommen mit der Gestaltung meiner HomePage - die sich schon quasi mehr oder
weniger beiläufig entwickelte -, nach nur zwei Jahren Existenz eine Erweiterung
einforderte und wohl über kurz oder lang aus Platzgründen erneut umziehen muss,
dann aber richtig - mal sehen, was da noch auf mich zukommt - aber sie ist für
mich mittlerweile "mein Buch - online" - La Loba's Wolfshöhle - .
Christel
Trompertz –> La Loba, Overath, den 8.11.2004
Weiterer
Nachsatz:
Auf den Tag genau ein Jahr später war es dann soweit. Nach verschiedensten
Recherchen und Vergleichen der gängigsten Provider schloss ich bei der Agentur
Regenbogenbrücke den Vertrag. Über itsy.de
wird die neue HomePage gehostet. "Mein Buch - online" hat jetzt den
Titel:
~ Grauschnauzes gesammelte
Werke ~